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Andreas Bongard
Die Anwendung von alloplastischen Gefäßprothesen
Handhabungsempfehlungen Beschreibung zu Einsatz und Handhabung
der Gefäßprothesen. Und eine tabellarische Übersicht einiger handelsüblicher Produkte.
Operative Einsatzgebiete von Gefäßprothesen Die verschiedenen
Prothesen können grundsätzlich als Überbrückungstransplantat (Interponat) oder als Umgehungstransplantat (Bypass) eingesetzt werden. Die Wahl der Prothese ist abhängig vom Gefäßkaliber, dem intraluminalen Druck, der
Ausstrombahn distal der Prothese und dem Transplantatverlauf. Welche Prothese letztendlich implantiert wird, ist situationsbedingt. Grundsätzlich bleibt festzustellen, daß es nur grobe Richtlinien beziehungsweise
Standards zur Transplantation von Prothesen gibt. So kann man sagen, daß für den Ersatz der Aorta sowie ihrer größeren Äste im Regelfall Polyester- oder PTFE-Prothesen zur Anwendung kommen. Beide Prothesen können
der Anforderung nach primärer Dichtigkeit nachkommen:
– primär dichte PTFE-Prothese, – beschichtete Polyesterprothese.
Diese beiden genannten Prothesen haben den besonderen Vorteil, bei Operationen mit rupturierten Aortenaneurysmen oder bei Patienten mit vorher
bekannten Gerinnungsstörungen direkt implantierfähig zu sein, ohne sie vorher preclotten zu müssen. Für die femoro-popliteale und krurale Etage lassen sich sowohl Polyester- als auch PTFE-Prothesen implantierten.
Wobei hier die primäre Dichtigkeit keine so große Relevanz hat. Grundsätzlich aber muß daran gedacht werden, daß beim Überschreiten des Kniegelenkes Prothesen mit Ring- oder Spiralverstärkung zum Einsatz kommen. Bei
extraanatomischen Bypassoperationen lassen sich sowohl spiral- als auch ringverstärkte Polyester- oder PTFE-Prothesen einsetzen. Diese Prothesen setzen einem externen Druck soviel Widerstand entgegen, daß eine
Bypasskompression mit Thrombosierung vermieden wird. Bei niereninsuffizienten Patienten haben sich in der Regel besonders PTFE-Prothesen bewährt. Beim Ersatz der Beckenvene oder der Vena-cava inferior wird die ring-
oder spiralverstärkte PTFE-Prothese bevorzugt. Preclotting von gestrickten Polyester-Gefäßprothesen Gestrickte Polyesterprothesen weisen keine primäre Dichtigkeit auf. Um den Erfolg der Implantation nicht zu
gefährden, ist es unumgänglich, stets vor der definitiven Implantation der Prothese, diese mit nicht heparinisiertem Blut zu preclotten.
– Dazu benötigt man, je nach Prothese, 20 bis 40 ccm Blut, eine entsprechende Einwegspritze, eine Nierenschale und eventuell eine Einwegkanüle. Nach
Entnahme des Blutes wird die Prothese sowohl von innen als auch von außen vollständig mit dem gerade entnommenem Blut durchtränkt. Um auch die Hohlräume (Plissierung) mit Blut zu benetzen, muß die Prothese jetzt
über ihre gesamte Länge mehrfach gestreckt werden.
– Nach der biologischen Gerinnungszeit überschüssiges und bereits geronnenes Blut sorgfältig entfernen beziehungsweise bei Einsatz einer
maschinellen Autotransfusion wieder aufsaugen.
– Bei eventuellen thrombosierten Rückständen innerhalb der Prothese können diese mit einem Embolektomiekatheter oder mit einem dünnen Absaugschlauch
entfernt werden.
Die "abgedichtete" Prothese ist jetzt zur definitiven Implantation vorbereitet. Korrekter Umgang mit der Prothese Die exakte Handhabung
sollte sich nach den aktuellsten wissenschaftlichen Standards orientieren. Aus der Sicht des Springers
- prae-operativ
– Kontrolle des Lagerbestandes. (Ist die Auswahl der Prothesen vollständig?) – Prothesen, die für die jeweils geplante
Operation in Frage kommen, werden im OP- Saal gelagert.
- intra-operativ
– Die zur Implantation benötigte Prothese erst nach Anordnung des Operateurs bereitstellen. – Vor definitiver Weitergabe
an den Instrumentierenden: Beachtung des Medizinproduktegesetzes (MPG), hier: Kontrolle des Verfalldatums und der CE- Kennzeichnung. – Nur originalverpackte- oder aber resterilisierte Prothesen mit
besonderer Kennzeichnung benutzen (siehe Resterilisation von Gefäßprothesen). – Dokumentation der implantierten Gefäßprothese (siehe Dokumentation).
- post-operativ
– Wird ein Teil der Prothese nicht implantiert, die Umverpackung und die nicht benutzten Implantataufkleber zur
Resterilisation geben (siehe Resterilisation). – Nachbestellung der implantierten Prothese. Aus der Sicht des Instrumentierenden
- prae-operativ
– Kontrolle des Lagerbestandes mit dem Springer.
- intra-operativ
– Bei definitiver Angabe durch den Springer nochmalige Kontrolle der durch den Springer angereichten Prothese, nach
Verfalldatum und Größe (Länge und Durchmesser). – Annehmen der Prothese unter sterilen Kautelen. – Prothese unter sterilem Verschluß halten bis zur definitiven Implantation. – Bei Polyesterprothesen
mit hoher Porosität muß diese preclottet werden (siehe Preclotting einer unbeschichteten Polyesterprothese). – Keine scharfen, spitzen und schweren Gegenstände benutzen. – Bei Splittung der Prothese, zur
Vermeidung von Kontamination derselben nur mit neuen sterilen Handschuhen und atraumatischen Instrumenten arbeiten. Der nicht implantierte Teil der Prothese muß, mit einem Bauchtuch bedeckt, in der geöffneten
Innenverpackung verbleiben und beispielsweise in den hinteren Instrumentencontainer abgelegt werden. – Wird die implantierte Prothese intraoperativ abgeklemmt, so sollte dies nur mit geeigneten Gefäßklemmen
oder aber mit weichem Gummi überzogenen Klemmen geschehen (siehe Spezielle gefäßchirurgische Instrumente). – Zum Vernähen der Prothese sollte nur monofiles Nahtmaterial benutzt werden. Die Nadel sollte nicht
schneidend sein und einen konischen Rundkörper haben (siehe Nahtmaterial in der Gefäßchirurgie).
Cave: Beachtung der Gebrauchsanweisung der jeweils zu implantierenden Prothese!
Spezielle gefäßchirurgische Instrumente Sie müssen, um eine
optimale Sicherheit zu gewährleisten, vorzugsweise atraumatisch sein. Zum Beispiel:
- Gewebefassende Instrumente
– anatomische Pinzetten: nach De Bakey, nach Hudson und nach Cooley, – atraumatische Klemmen: nach Cooley,
nach Satinski, nach De-Bakey, Bulldogklemme nach De- Bakey, nach Pean.
- Gewebedurchtrennende Instrumente
– Gefäßscheren, zum Beispiel nach Potts-Smith, "stumpf-stumpfe" Präparierschere, nach Streli
"spitz-spitz" (H. Dräger, W. Gill, 1990, S. 128, 52).
Die oben aufgeführten Instrumente gehören sicherlich zu den meist gebrauchten in der Gefäßchirurgie. Natürlich ist hier aber nur eine Auswahl der
Instrumente dokumentiert, welche in der Gefäßchirurgie täglich ihren Einsatz finden. Variationen ergeben sich aus den abteilungsspezifischen Besonderheiten.
Nahtmaterial in der Gefäßchirurgie Anforderungen an ein in der
Gefäßchirurgie verwendetes Nahtmaterial: Geringe Fremdkörperreaktion, gewisse Infektionsresistenz, hohe Reißfestigkeit und Elastizität sowie gute Gleitfähigkeit und Knotensicherheit. In erster Linie in Betracht zu
ziehen ist sicherlich das monofile Polypropylene. Nachteil ist die geringe Flexibilität und der sehr mäßige Knotensitz. Aus diesem Grund sind zumindest fünf Knoten erforderlich, um einen sicheren Sitz der Anastomose
zu garantieren. Andere nicht resorbierbare Fäden sind zum Beispiel Polybutester, PTFE und polyfiler Polyester. Grundsätzlich richtet sich die Fadenstärke nach dem zu nähenden Gefäß (Kaliber und Wandbeschaffenheit).
Nach ausgiebiger Literaturrecherche ergaben sich folgende Richtlinien: – an der thorakalen und abdominalen Aorta: 3-0/4-0 (USP), – an den Beckenarterien: 4-0/5-0 (USP),
– bei peripheren Rekonstruktionen: 5-0/6-0 (USP) (Femoral, popliteal, crural). Nadel: In der Regel werden doppeltarmierte Nähte benutzt. Bevorzugt werden Nadeln mit einer 1/2 oder 3/8 gebogenen Rundkörpernadel
mit spitz zulaufender oder leicht angeschrägter Spitze (B. F. Ericsson, S. 10).
Die Dokumentation von Implantaten (Gefäßprothesen) Der
Bundesgerichtshof verpflichtete den Krankenhausträger und damit alle ärztlichen und nicht ärztlichen Mitarbeiter als seine Erfüllungsgehilfen zur ordnungsgemäßen Dokumentation. Es muß möglich sein, in einem
Haftungsprozeß anhand von Krankenunterlagen die kunstgerechte Behandlung darzulegen und zu beweisen. Auch die pflegerischen Leistungen müssen rekonstruierbar sein (K. Hüfner et al., 1996, S. 174). Eine nicht
dokumentierte Maßnahme ist eine nicht durchgeführte Maßnahme! Übertragen auf die jeweils implantierte Gefäßprothese bedeutet das die Eintragung der genauen Bezeichnung der Prothese (Länge, Durchmesser und
Prothesenmaterial). Zudem muß die Chargen- und Artikelnummer dokumentiert werden. In den heute vom Hersteller gelieferten Prothesenverpackungen liegen mittlerweile Aufkleber mit all diesen wichtigen Daten zur
Dokumentation bei. Diese Aufkleber werden dann in den krankenhausüblichen Op.-Protokollen an entsprechender Stelle eingeklebt. Ziel dieser Maßnahme ist es, wie gerade beschrieben, zu dokumentieren, um später
eventuell Auskunft an Dritte zu geben beziehungsweise um Beweissicherung bei Regreßansprüchen zu stellen.
Sterilisation der Gefäßprothese aus Sicht der Qualität, Hygiene und Ökonomie Grundvoraussetzung: Der Sterilisator muß eine CE-Zertifizierung besitzen. Laut Angaben (Gebrauchsanweisung) ist die Resterilisation von Gefäßprothesen bei einigen Herstellern
grundsätzlich möglich. Gore-Tex® Prothesen beispielsweise, so schreibt der Hersteller, "können, wenn nötig, in einer dafür geeigneten Verpackung bis zu dreimal mit Ethylenoxid (ETO) oder Dampf
resterilisiert werden, ohne daß eine Veränderung der physikalischen und chemischen Eigenschaften auftreten". Selbstverständlich weist hier der Hersteller darauf hin, daß er nach erfolgter Resterilisation die
Sterilität des jeweiligen Produktes in den Verantwortungsbereich des Krankenhauses gibt. Andere Hersteller verweisen direkt auf das Medizinproduktegesetz (MPG) – hier genau auf die Vertreiberverordnung § 4 – die
besagt, daß das Einmalprodukt nicht resterilisiert werden sollte. Hierbei geht es nicht um ein Verbot, sondern vielmehr um die hafttungsrechtliche Aussage des Herstellers, womit er den Verantwortungsbereich
ebenfalls an das jeweilige Krankenhaus weiterreicht. Andererseits ist es laut MPG bei Einmalprodukten mit entsprechender Kennzeichnung auf der äußeren Verpackung und der Gebrauchsanweisung nicht erlaubt zu
resterilisieren. Letztendlich wird die Frage nach der Resterilisation von Gefäßprothesen- nicht zu unrecht- noch immer kontrovers diskutiert. Der wohl einzige gewichtige Grund, der dagegen spricht, ist die
potentielle mikrobielle Gefahr der Kontamination mit Blut. Bei Einhaltung aller Handhabungshinweise sollte aber auch diese Gefahr ausgeschlossen werden können. Neben anderen Faktoren, die dafür sprechen, ist hier in
erster Linie die doch enorme Kostenersparnis zu nennen. Allein das sollte ausreichen, um tunlichst darauf zu achten, die Möglichkeiten der Resterilisation voll auszuschöpfen. Wie nun genau die Resterilisation der
einzelnen Prothesen der Hersteller zu erfolgen hat, entnimmt man ebenfalls der beiliegenden Gebrauchsanweisung. Dies ist zwingend wichtig, weil durch die verschiedensten Materialien und Herstellungsprozesse der
Prothesen die Resterilisation variiren kann (Gas, Dampf-120° oder -134° usw.). Deshalb sei auch hier nochmals daran erinnert, daß die Handhabungshinweise bei der Splittung der Gefäßprothese dringend eingehalten
werden müssen.
Sicherheitshinweise Unter folgenden Sicherheitsgesichtspunkten
sollte man den reibungslosen Ablauf des kompletten Sterilisationsvorganges garantieren:
Intraoperativ: – Vermeidung jeglicher Kontamination des nicht
gebrauchten Teils der Prothese nach Splittung. – Sicheres Ablegen der Prothese in einen nicht kontaminierten Bereich der Sterilzone (z. B. in den hinteren Instrumentencontainer), zusätzliches Abdecken mit
sauberem Tuch.
Postoperativ: – Verschluß des Containers (telefonische
Information an Zentralsteri über geplantes Vorhaben). – Zusätzlich gehen die Umverpackung und die nicht benötigten Dokumentationsaufkleber in den Zentralsteri.
– Resterilisation der Prothese, in doppelter Peel-off Verpackung, nach Herstellerangaben. – Nach erfolgter Sterilisation wird dann die sterilisierte Prothese einschließlich der Prothesenaufkleber in die
bereitliegende Umverpackung gesteckt, wobei diese mit einem dicken Faserstift mit dem Wort "Resterilisiert" deutlich kenntlich gemacht wird. So ist es dem Op.-Personal bei nochmaligem Einsatz der
Gefäßprothese leicht und übersichtlich gemacht, diese Gefäßprothese direkt als resterilisiert zu erkennen. Zumal aus Gründen der begrenzten Haltbarkeit natürlich diese Prothesen zuerst (wenn möglich und nötig)
implantiert werden sollten.
Fazit Beginnend mit der autologen und homologen Rekonstruktion
krankhaft veränderter Arterienabschnitte vor einem halben Jahrhundert setzte schon bald die Suche nach textilen Ersatzimplantaten ein. Geringe Koagulationsneigung, adäquate Hämodynamik und physiologisch unauffällige
Einheilung nach innen und außen sind wichtige Entwicklungskriterien, zu denen aber auch Handling, primäre und langzeitige Stabilität sowie Preis und Verfügbarkeit gehören. Für diesen alloplastischen Gefäßersatz
haben sich zwei Materialien, nämlich PETP und PTFE, durchgesetzt. Für die Routine – besonders aber auch zur Improvisations- und Anpassungsfähigkeit an die Situation im Vorfeld – sowie an vielfältige Krankheitsbilder
und besondere klinische Bedingungen sind genauere Kenntnisse des Materials handelsüblicher Gefäßprothesen und seiner Verarbeitungsform hilfreich. Gleichermaßen wichtig sind aktuelle fachtechnische, pflegerische und
auch betreuungsspezifische Aspekte. Neben der exakten Kenntnis von Nahtmaterialien, den operationsrelevanten Instrumenten, der Hygiene und den jeweils entsprechenden Resterilisationsmöglichkeiten gehören auch die
hier nicht beschriebene intraoperative Patientenlagerung sowie die prae- und postoperative Patientenbetreuung erwähnt.
Literatur Dräger, H.;Gill, W. (1990): Instrumentenkunde, G. Thieme Verlag, Stuttgart-New York
Fingal-Ericsson,B.: Grundlagentechniken der Gefäßchirurgie, Malmö-Schweden Hüfner, K.; Kalthoff, M.; Müthing, M.; Thönissen, E.; Wiedner-Heil, I. (1997): Werkstoff-, Instrumenten- und Materialkunde, Druckerei
Henrich, Eschborn Schmidt, R.; Bruns, C.; Planck, H. (1995): Einführung in die Gefäßchirurgie, Johann Ambrosius Barth Verlag, Heidelberg- Leipzig
Zetkin; Schaldach (1978): Wörterbuch der Medizin, dtv: München, G. Thieme, Stuttgart
Schlüsselwörter: Gefäßprothese, PTFE, Polyester, Preclotting, Sterilisation
Anschrift des Verfassers:
Andreas Bongard St. Marien- Hospital gGmbH - Zentral-OP Mühlenstraße 5-9
45894 Gelsenkirchen-Buer
Quelle: Bibliomed-Verlag
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