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Hochfrequenz-(HF)Chirurgie

Physikalische Grundlagen:

  
Zur Hochfrequenzchirurgie verwendet man Wechselströme hoher Frequenz.
Wechselstrom: Strom, bei dem die Pole periodisch zwischen Plus und Minus wechseln und daher
   die Elektronen ständig ihre Bewegungsrichtung ändern.
   Die Häufigkeit, mit der dies geschieht, heisst Frequenz des Wechselstroms.
Gleichstrom: Strom, bei dem die Elektronen immer in die gleiche Richtung fliessen. Die Pole 
   wechseln nicht zwischen Plus und Minus.
 - Legt man eine Spannung an ein Material an(d.h. verbindet die Pole einer Stromquelle mit dem
   Material), so fliesst viel Strom, wenn das Material niedrigen elektrischen Widerstand hat, und
   wenig Strom bei hohem elektrischen Widerstand.
 - Fliesst Strom durch ein leitfähiges Material, so erwärmt es sich umso mehr, je grösser der
   elektrische Widerstand ist. Deshalb werden zu dünne Kabel, die einen höheren Widerstand als
   dicke Kabel haben, bei Stromfluss heiss.
   Diesen Effekt nutzt die HF-Chirurgie: Körpergewebe hat  einen höheren elektrischen
   Widerstand als die metallene Schneideelektrode . Durch den Stromfluss wird das umliegende
   Gewebe Gewebe aufgeheizt, aber nicht die Elektrode. Besonders stark ist der Effekt in der Nähe
   der OP-Elektrode, da der gesamte Strom dort durch einen sehr kleinen Gewebequerschnitt fliesst.
 - An der Neutralelektrode wird der zurückfliessende Strom auf eine grosse Fläche verteilt, daher
   entsteht dort nur eine geringe Erwärmung des Gewebes.
 - Verwendung hochfrequenter Ströme (300 bis 2000 kHz) zum Schneiden und Koagulieren von
   Körpergewebe. Die hohen Frequenzen vermeiden neuromuskuläre Kontraktionen.

Wirkung des HF-Stroms
  
Je nach Stärke, Spannung und Frequenz des Stromes und abhängig von der verwendeten
   Elektrodenform erzielt man:
Desikkation: Einstich einer Nadelelektrode ins Gewebe, Erwärmung auf 50-80°C. Dadurch
   Austrocknung und teilweise Koagulation. Zerstörung des Gewebes durch Dehydrierung.
   Anwendung z.B. zur Obliteration von Lymphangiomen am Mundboden.
Fulguration: oberflächliche Verkohlung durch Funkenentladung der dicht über dem Gewebe
   geführten Elektrode. Hoher Strom und hohe Spannung erforderlich, nur monopolar z.B. zur
   lokalen Tumorzerstörung.
Koagulation: Gerinnung des Eiweisses. Volumenverringerung und Wasserverlust, z.B. zum
   Verschluss kleinerer Gefässe, zur Tiefen- oder Oberflächenkoagulation.
Gewebeschnitt: Schneidwirkung mit Hilfe kleinflächiger Elektroden. Durch explosionsartiges
   Verdampfen der Zellflüssigkeiten an der Schnittstelle wird das Gewebe getrennt und an den
   Schnittkanten koaguliert.

Vorteile der HF-Anwendung
Blutarmer Schnitt, keine Keimverschleppung wegen der hohen Arbeitstemperatur,
Anwendung auch durch kleine Körperöffnungen möglich.

Sicherheitsprobleme
Verbrennungen an den Kontaktstellen
 - Bei teilweiser Ablösung der Neutralelektrode wird die Fläche am Übergang vom Körper zur
   Neutralelektrode sehr klein. Moderne HF-Geräte schalten ab oder warnen, wenn der
   Übergangswiderstand Körper-Neutralelektrode zu gross wird.
 - Wenn der Strom nicht wie geplant über die Neutralelektrode zurück fliesst, sondern über geerdete
   Metallgegenstände, mit denen der Patient Kontakt hat, z.B. Infusionsständer, OP-Tisch. Die
   Verbindung zu solchen Metallgegenständen ist auch über Flüssigkeiten möglich, z.B. wenn die
   Patientenunterlage feucht wurde.
Entzündungsgefahr durch die bei HF-Anwendungen häufig entstehendenFunken.
 - Bei Gegenwart von entflammbaren Anästhetika oder anderen, leicht brennbaren Flüssigkeiten
   oder Objekten.
 - In mit Sauerstoff angereicherter Atmosphäre
 - Bei Anwesenheit natürlich entstehender brennbarer Gase, die sich z.B. im Bauchraum oder im
   Darm ansammeln können.
Funktionsbeeinflussung oder -ausfälle von Herzschrittmachern durch die HF-Applikation. Diese Gefahr vorher abklären!

Handhabung
Vor der ersten Inbetriebnahme muss eine technische Einweisung des Bedienungspersonals durch den Hersteller oder durch bereits eingewiesene Kollegen erfolgen (siehe Medizingeräte-Verordnung).
 - Für jedes HF-Gerät ist ein Gerätebuch zu führen für Kontrollen, Einweisungen und
   Funktionsstörungen.
 - Die beiden Pole des HF-Chirurgie-Gerätes müssen über das zu koagulierende Gewebe des
   Patienten einen geschlossenen Stromkreis bilden. Je nach Anordnung der Pole unterscheidet man
   monopolare und bipolare Anwendung.

Monopolare und bipolare Anwendung

 

monopolar

bipolar

Polanordnung

Nur eine(relativ kleinflächige) Elektrode im OP-Gebiet, Rückfluss des Stroms durch den Körper über die grossflächige Neutralelektrode des HF-Chirurgie-Geräte

Beide Pole werden über eine HF-Pinzette mit gegeneinander isolierten Schenkeln direkt an die Operationsstelle geführt, Stromfluss nur zwischen den beiden Polen

Wirkung

Starke lokale Erwärmung des Gewebes an der Elektroden-Gewebe-Grenze (Koagulation), bei hohen Spannungen Funkenflug und Fulguration

Starke lokale Erwärmung des Gewebes nur zwischen den Elektroden, dadurch Koagulation

Einsatzgebiet

Koagulation, Desikkation, Fulguration, Gewebeschnitt mit einstellbarer Verschorfung, Gefässverschluss

Koagulation, Gefässverschluss besonders für Präzisionsapplikationen (Neurochirurgien, HNO) geeignet

Vorteile

Durch Elektrodenwechsel vielseitige Anwendungen möglich, schnelle Blutstillung

Geringe Stromstärken nötig (nur ca. 20-30% der monopolaren HF-Leistung), Stromweg genau kalkulierbar , Verbrennungsrisiko an der Neutralelektrode entfällt

Nachteile

Neutralelektrode muss geklebt werden, Verbrennungsgefahr bei sich ablösen- der Neutralelektrode, Stromfluss durch den Körper nicht genau kontrollierbar, Kurzschlüsse über Kontakt mit geerdeten Metallteilen möglich

Gewebeschnitt, Fulguration, Desikkation nicht möglich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Patientenlagerung
Der Patient muss elektrisch isoliert von (insbesondere geerdeten) Metallteilen gelagert werden, z.B. von OP-Tisch, Armhalterungen, Infusionsständern und leitfähigen Schläuchen.
 - Die Arme sind gegen den Körper, die Beine gegeneinander zu isolieren.
 - Auf trockene Unterlage achten, damit bei monopolarer Anwendung keine
   Kurzschlussströme über den OP-Tisch zu Verbrennungen führen können.

   Literaturnachweis:
   Pflegeleitfaden-OP
   Gustav Fischer Verlag
   ISBN:3-437-45030-1

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