|
Hygieneplanung
Maßnahmen zur Verhütung von postoperativen Wundinfektionen und Hygienemaßnahmen in der Operationsabteilung
Von Siegfried Niklas
Die postoperativen Wundinfektionen gehören mit einem hohen Prozentsatz zu den häufigsten nosokomialen Infektionen. Dabei haben viele Faktoren
Einfluss auf das Entstehen, unter anderem hohes Alter, Grund- und Begleiterkrankungen und der Ernährungszustand der Patienten. Aber auch beeinflussbare Faktoren wie die präoperative Vorbereitung, die OP-Technik und
Fehler im Hygienemanagement spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von postoperativen Wundinfektionen. Aus diesem Grund sollen in Kliniken und Einrichtungen für ambulantes Operieren qualitätssichernde
Maßnahmen zur Senkung der Infektionsrate ergriffen werden. Im Infektionsschutzgesetz ist deshalb unter § 36 unter anderem zu lesen: "... Krankenhäuser ... Einrichtungen für ambulantes Operieren ... legen in
Hygieneplänen innerbetriebliche Verfahrensweisen zur Infektionshygiene fest."
Was sind Hygienepläne?
Hygienepläne setzen sich aus einzelnen fachbezogenen Hygieneanleitungen zusammen, die sowohl zum Schutz der zu betreuenden Patienten als
auch zum Schutz des Personals zu beachten sind. Ziel ist die Verhinderung von Infektionen durch Mikroorganismen und schädigenden Einflüssen durch festgelegte Verhaltens-, Arbeits-, Aufbereitungs-, Ver- und
Entsorgungsmaßnahmen.
Ein Bestandteil des Hygieneplans sind die Desinfektions- und Reinigungspläne. In den Desinfektions- und Reinigungsplänen sind für die einzelnen
Arbeitsbereiche entsprechend der Infektionsgefährdung Maßnahmen zur Desinfektion, Reinigung und Sterilisation festgelegt. Die Reinigungs- und Desinfektionspläne sind an einem für alle Beschäftigten gut sichtbaren
Ort aufzuhängen.
In der nachfolgenden Arbeit sollen am Beispiel der Verhütung von postoperativen Wundinfektionen Hygienemaßnahmen zur Erstellung eines Hygieneplans
für die Operationsabteilung beschrieben werden. Maßnahmen zum Personalschutz sind aus redaktionellen Gründen in dieser Arbeit nicht aufgeführt.
Präoperative Vorbereitung des Patienten
Haarkürzung/Haarentfernung Das postoperative
Wundinfektionsrisiko steigt erheblich, wenn durch die präoperative Rasur die Haut oder Schleimhaut im OP-Gebiet verletzt wird. Durch ungewollt gesetzte Mikroläsionen, d. h. kleinste Verletzungen der Haut können
Mikroorganismen das OP-Gebiet kontaminieren und die Operationswunde danach infizieren.
Aus diesem Grund sollte die schonende Haarkürzung durch eine elektrische Haarschneidemaschine (z. B. Surgical Clipper von 3M) einer (Nass- oder
Trocken-)Rasur vorgezogen werden, da Hautreizungen und Beschädigungen weitgehend verhindert werden. Die Übersicht in Tabelle 1 zeigt die unterschiedlichen Infektionsraten nach Rasur bzw. Haarkürzung am Abend vor der
Operation und nach Haarentfernung am Operationstag auf.
Die Größe des Rasurfeldes (mit Rasurfeld ist das Gebiet der Haarentfernung gemeint) richtet sich nach der Größe des Desinfektionsbereiches (Tab. 2).
10 Regeln zur präoperativen Haarkürzung
1. Bei unklaren Bauchoperationen Haare großzügig entfernen, da während der Operation eine Erweiterung des OP-Gebietes möglich werden kann.
2. Bei Operationen über Sehnen und Knochenkanten (z. B. am Schienbein) besonders vorsichtig arbeiten. Eventuell kann die Haut über den Knochen
seitlich verschoben werden, damit Hautverletzungen vermieden werden.
3. Bei Operationen am Schädel sollte die Rasurfläche immer so klein wie möglich und so groß wie nötig sein. Die Deckhaare werden aus kosmetischen
Gründen nach Möglichkeit nicht abrasiert.
4. Augenbrauen nicht abrasieren. In Ausnahmefällen ist immer das Einverständnis des Patienten/der Patientin einzuholen und die schriftliche
Anordnung des Operateurs notwendig.
5. Bei Hauttransplantationen immer das Entnahmegebiet mit in die präoperative Vorbereitung einbeziehen.
6. Immer in Richtung des Haarwuchses rasieren.
7. Auf Hautunebenheiten achten (z. B. Pickel).
8. Haut in Faltenbereichen straffen.
9. Bei starker Körperbehaarung dem Patienten die Indikation der Rasur erklären (z. B. Vermeidung von auftretenden Kontaktstörungen von Elektroden
zur EKG-Überwachung, Anlage eines Venenkatheters, schmerzloseres Entfernen oder bessere Fixierung von Pflastern usw.).
10. Wenn die Haarentfernung als schmerzhaft empfunden wird (z. B. bei Abszessen oder Frakturen), abklären, ob die Haarkürzung auch in Narkose
möglich ist.
Weitere präoperative Maßnahmen am Operationstag – Ganzkörperdusche oder Ganzkörperwaschung.
– Nagel-, Nabel-, Haar-, Mund- und Nasenpflege (Nagellack und Lippenstift entfernen). – Bei Hand- oder Fußoperationen eventuell Nägel kürzen (Cave: nicht bei peripherer- bzw. arterieller Verschlusskrankheit,
Diabetes, Hämophilie). – Zahnprothesen, Perücken und alle Schmuckgegenstände (Fingerringe, Ohrstecker, Piercingstecker usw.) ablegen. – OP-Hemd, Kopfhaarbedeckung und gegebenenfalls Einmalslip anlegen (Wahrung
der Intimsphäre) – Bett aufbereiten oder wechseln.Grundsätzlich gilt, dass vor einer geplanten Operation Infektionen auch anderer Organe oder Organsysteme erkannt und behandelt worden sind.
Maßnahmen in der Operationsabteilung
Aus Gründen der Infektionsprophylaxe ist der Operationsbereich durch Schleusen vom übrigen Krankenhausbereich getrennt. Dadurch soll
verhindert werden, dass durch Personal oder Gegenstände Krankheitserreger in diesen Bereich eingeschleppt und durch unsachgemäßes Verhalten weiterverbreitet werden. Von allen in diesem Bereich Tätigen wird deshalb
ein hohes Maß an Verantwortung, Selbstdisziplin und Selbstkontrolle erwartet.
Mögliche Infektionsquellen in der Operationsabteilung Bakterien der Haut- und Schleimhautflora des OP-Personals
Ungenügend aufbereitete Flächen und Inventar Ungenügend aufbereitetes Instrumentarium Verunreinigte medizinische Gase Kontaminierte Spüllösungen Partikel in der Raumluft
Operationsplanung
Die Operationsplanung muss berücksichtigen, ob der Eingriff als "nicht kontaminiert" (Gruppe 1), "sauber
kontaminiert" (Gruppe 2), "kontaminiert" (Gruppe 3) oder "manifest infiziert" (Gruppe 4) einzuordnen ist (s. Die Schwester/Der Pfleger 3/02). Die OP-Planung wird dann so eingerichtet, dass
die Operationen in der Reihenfolge Gruppe 1, 2, 3 und 4 durchgeführt werden. Nach einer Operation der Gruppe 4 dürfen geplante Operationen der Gruppe 1 nur durchgeführt werden, wenn zuvor entsprechende
Desinfektionsmaßnahmen vorgenommen worden sind (s. unten).
Schleusen
Personal, Patienten und angeliefertes Gut erreichen die Operationsabteilung nur durch eine Schleuse. Das Einschleusen von Geräten erfolgt
erst nach einer Desinfektion des gesamten einzuschleusenden Gutes mit einem Flächendesinfektionsmittel. Transport- und Umverpackungen von angelieferten Materialien werden vor dem Einbringen in die OP-Abteilung
entfernt.
Personalhygiene
Allgemeine Maßnahmen
Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den OP-Bereich betreten, dürfen an Händen und Unterarmen keine Schmuckstücke, Ringe oder Uhren
tragen. Auch sonstige gefahrenträchtige Schmuckstücke wie Halsketten und Ohrringe dürfen während der Tätigkeit in der OP-Abteilung nicht getragen werden. Die Fingernägel werden kurz gehalten. Entzündete Wunden,
entzündliche Hauterkrankungen und andere Infektionserkrankungen wie Schnupfen oder Husten stellen ein Risiko dar und müssen der OP-Leitung gemeldet werden, die dann darüber entscheidet, ob eine Weiterbeschäftigung
in der OP-Abteilung verantwortet werden kann.
Einschleusen des Personals
Nach dem Betreten der Personalschleuse werden die Schuhe und die Oberbekleidung abgelegt. Nach der hygienischen Händedesinfektion erfolgt
das Anlegen der keimarmen Bereichskleidung (Hose, Hemd, OP-Schuhe) und des Haarschutzes. Die Kopfhaare müssen vollständig bedeckt sein. Erneute Händedesinfektion.
Das Verlassen der OP-Abteilung in OP-Bereichskleidung ist untersagt.
Ausschleusen des Personals
OP-Kittel und die Handschuhe werden im Operationsraum ausgezogen und entsorgt. Danach erfolgt eine hygienische Händedesinfektion. In der
Personalschleuse werden die Bereichskleidung und die Bereichsschuhe in die entsprechenden Behältnisse entsorgt. Nach erneuter Händedesinfektion kann die Dienstkleidung wieder angelegt werden.
Toilettenbesuch
Nach jeder Toilettenbenutzung sind eine Händewaschung mit anschließender Händedesinfektion sowie eine erneute Einschleusung erforderlich
(s. o.).
Mund-Nasen-Schutz
Der Mund-Nasen-Schutz wird spätestens vor dem Betreten des Waschraumes oder des Einleitungsraumes angelegt. Der Mund-Nasen-Schutz muss
Mund, Nase und Barthaare vollständig abdecken. Wird er gelöst, ist er zu erneuern. Danach ist eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen. Vor jeder Operation wird ein neuer Mund-Nasen-Schutz angelegt. Bei
beginnender Durchfeuchtung sollte der Mund-Nasen-Schutz ebenfalls gewechselt werden.
Händehygiene
Die hygienische Händedesinfektion, die chirurgische Händedesinfektion und der Hautschutz werden nach den Vorgaben des Desinfektions- und
Reinigungsplans durchgeführt (s. Beilage zum Herausnehmen).
Schutzkleidung (OP-Mantel, Handschuhe, Schutzbrille)
Nach der chirurgischen Händedesinfektion legt das Operationsteam im Operationsraum sterile Schutzkleidung (OP-Mantel) und sterile
Handschuhe an. Bei Operationen, bei denen ein Durchfeuchten nicht auszuschließen ist, werden flüssigkeitsundurchlässige Operationskittel getragen. Wenn mit dem Auftreten von Aerosolen oder Sekretspritzern zu rechnen
ist, werden Schutzbrillen getragen. Defekte Handschuhe müssen sofort und nach dem septischem Teil einer Operation gewechselt werden.
Nach Ende einer Operation werden die Handschuhe und der OP-Mantel im Operationsraum und der Mund-Nasenschutz im Ausleitungsraum abgelegt.
Die Desinfektion der zu operierenden Hautareale muss
sorgfältig und großflächig durchgeführt werden (in der Regel zweimal je 2,5 Minuten). Das Hautdesinfektionsmittel wird jeweils vom OP-Gebiet zur Peripherie hin (von innen nach außen) mit einem satt getränkten,
sterilen Tupfer aufgetragen. Die Einwirkzeiten sind genau zu beachten. Zwischen Patient und OP-Tisch soll kein Feuchtigkeitsreservoir entstehen, da dadurch (Kriechstrom-)Verbrennungen verursacht werden können. Aus
diesem Grund wird vor der Hautdesinfektion saugfähiges Papier (z. B. Zellstoff) zwischen Patienten und OP-Tisch gelegt, welches nach dem "Abwaschen" wieder entfernt wird.
Maßnahmen während der Operation
Um Luftturbulenzen der Raumlufttechnischen Anlage (RLT) und eine dadurch bedingte Partikelverschleppung (= Keimverschleppung) zu
verhindern, sollten die Türen der Operationseinheit sowohl während der Operation als auch außerhalb der Operation nicht offen stehen. Die Zahl der Personen im Operationsraum und das Sprechen und Umhergehen wird auf
das notwendige Maß beschränkt.
Maßnahmen nach der Operation
Die benutzten Instrumente werden nach Ende der Operation in die bereitgestellten Behältnisse abgelegt und in geschlossenen Behältnissen
zur Aufbereitung transportiert (s. Desinfektions- und Reinigungsplan).
Benutzte OP-Wäsche und die Abfälle werden in die entsprechenden Behältnisse "abgeworfen" und zur weiteren Entsorgung in den entsprechenden
Räumen zwischengelagert.
Besondere Maßnahmen im Aufwachbereich bzw. auf Station
Nachdem der Patient die Operationsabteilung verlassen hat, werden alle Verbände auf eventuelle Blutungen, festen Sitz oder Abschnürungen
geprüft. Zur weiteren Inspektion gehören alle venösen Zugänge, die Harnableitung sowie der Sog der Redon-Drainagen. Ferner werden alle Ableitungen (z. B. T-Drainagen, Harnleiter-Splinte usw.) auf mögliche
Knickstellen hin untersucht.
Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen
Desinfektionsmaßnahmen nach jeder Operation
Nach jeder Operation werden alle patientennahen Flächen (z. B. OP-Lampe, Instrumentiertisch usw.), alle kontaminierten und potenziell
kontaminierten Flächen außerhalb des patientennahen Umfeldes sowie der Fußböden im patientennahen Umfeld mit einem Flächendesinfektionsmittel desinfiziert. Größere Mengen Blut oder anderer Körperflüssigkeiten werden
mit einem mit Flächendesinfektionsmittel getränktem Putzmopp behandschuht aufgenommen und entsorgt. Ebenso werden die Waschbecken einschließlich der Armaturen und der Fußboden in den Waschräumen gereinigt und
desinfiziert.
Erst nach Abschluss aller Reinigungs-, Desinfektions- und Entsorgungsarbeiten dürfen die Vorbereitungen für die nächste Operation begonnen werden.
Maßnahmen am Ende des OP-Programms
Täglich nach Betriebsende werden in den benutzten Operations- und Nebenräumen (Ein- und Ausleitung, Waschraum) alle horizontalen und
vertikalen Flächen bis zu einer "Reichhöhe" von zwei Metern sowie das gesamte Inventar (OP-Lampe, Medizingeräte, Schränke usw.) gereinigt und desinfiziert. In den weiteren Räumen (Sterilgutlager,
Aufenthaltsraum usw.) werden die Fußböden und alle kontaminierten und potenziell kontaminierten Flächen ebenfalls gereinigt und desinfiziert.
Hygienemaßnahmen nach septischen Eingriffen
Operationen und Eingriffe, bei denen es zum Freiwerden von Eiter kommt, oder bei denen eine außergewöhnliche Streuung von
Infektionserregern zu erwarten ist, werden als septisch bezeichnet. Septische Operationen und Eingriffe sollten nach Möglichkeit am Ende des OP-Programms stattfinden.
Kommt es unerwartet zu einem septischen Vorfall im Bereich einer aseptischen Operation werden alle Türen der Operationseinheit unverzüglich
geschlossen. Ein unnötiges Durchlaufen der betreffenden Einheit sollte vermieden werden.
Alle Mitarbeiter, die diesen Bereich verlassen, müssen noch innerhalb des kontaminierten Bereiches Mund-Nasen-Schutz, Haube, Handschuhe, OP-Kittel
und OP-Schuhe ausziehen; um Kontaminationen des übrigen OP-Bereiches zu vermeiden. Nach dem Ablegen der Schutzkleidung wird eine hygienische Händedesinfektion durchgeführt. Die farbige Bereichskleidung wird
unverzüglich in der Personalschleuse gewechselt. Für den Gang zur Umkleide können separate (farblich gekennzeichnete) OP-Schuhe angelegt werden.
Der gesamte Fußboden, alle patientennahen Flächen und Gegenstände wie OP-Tisch, OP-Lampe, Instrumentiertisch sowie wie alle kontaminierten Flächen
und Gegenstände und alle patientennahen medizinischen Geräte werden mit einer ausreichend konzentrierten Flächendesinfektionslösung (Herstellerhinweis!) gereinigt und desinfiziert. Nach Ende der Einwirkzeit kann die
OP-Einheit wieder benutzt werden.
Der Verbandwechsel
Ein alter chirurgischer Grundsatz bei der Versorgung von Wunden lautet: "Finger weg von jeder Wunde!"; was soviel bedeutet,
dass die Hände des Krankenhauspersonals bei der Entstehung von Wundinfektionen eine wichtige Rolle spielen.
Aus krankenhaushygienischer Sicht sind bei Wundverband und Verbandwechsel zu unterscheiden: 1. aseptische Wunden,
2. kontaminierte und potenziell kontaminierte Wunden und 3. infizierte Wunden.
1. Aseptische Wunden sind solche, die - nach aseptischen Eingriffen durch Naht verschlossen wurden und keine Zeichen von Wundheilungsstörungen
aufweisen; - nach bedingt aseptischen Eingriffen durch Naht verschlossen wurden und ohne Wundheilungsstörungen verheilen; - nach Verletzung durch Wundausschneidung und Naht versorgt wurden und ohne
Wundheilungsstörung verheilen.
2. Kontaminiert und potenziell kontaminierte Wunden sind alle offen behandelte Wunden, solange keine Zeichen einer Infektion vorliegen. Im Einzelnen
kann es sich dabei handeln um - offen behandelte Verletzungswunden, - eröffnete Wundhämatome oder Wundserome, - Verbrennungswunden, - Drainageaustrittsstellen, Tracheostoma.
3. Infizierte Wunden können sein: - eröffnete Eiterherde (z. B. Abszess, Phlegmone, Panaritium), - Wunden, die zunächst durch Naht
verschlossen waren, (z. B. nach bedingt aseptischen Eingriffen oder Wundversorgungen) bei Auftreten von Zeichen einer Infektion, - kontaminierte oder bedingt kontaminierte Wunden nach Auftreten von Zeichen
einer Infektion.
Organisatorische Vorbereitungen zur Durchführung des Verbandwechsels
Reihenfolge festlegen: 1. Aseptische Wunden, 2. Kontaminiert und potenziell kontaminierte Wunden, 3. Infizierte Wunden.
Benötigte Verbandmaterialien (s. unten) auf dem Verbandwagen bzw. Wundversorgungstablett bereitlegen.
Individuelle Situation des Patienten berücksichtigen (z.B. Wahrung der Intimsphäre). Fenster und Türen schließen. Keine Reinigungs-, Entsorgungs- oder sonstige Arbeiten während des Verbandwechsels im Zimmer
durchführen.
Materialien
Desinfektionsmittel: Händedesinfektionsmittel, Hautdesinfektionsmittel,
Ggf. Flächendesinfektionsmittel (z. B. Einmaltücher aus dem Spender), Ggf. Waschbenzin, Handschuhe (steril/unsteril), Verbandmaterial (sterile Kompressen, Mullbinden usw.),
Ggf. Medizinprodukte und Arzneimittel zur Wundbehandlung (ärztliche Anordnung),(steril), Entsorgungsbehälter für benutzte Instrumente, Entsorgungsbehälter für Abfälle,
Durchstichsicherer Entsorgungsbehälter für Kanülen, scharfe Gegenstände usw., Schutzkittel mit langen Ärmeln, Ggf. Mund-Nasenschutz und Haarschutz (s. unten).
Durchführung des Verbandwechsels
Der Verbandwechsel sollte nach Möglichkeit von zwei Personen durchgeführt werden. Durchführung der hygienischen Händedesinfektion
(auch wenn sterile oder unsterile Handschuhe getragen werden). Verbandwechsel möglichst durch "Non-touch-Technik" (nicht berühren durch Zuhilfenahme von Instrumenten wie Pinzetten).
Einmalhandschuhe, je nach Bedarf steril oder unsteril, anlegen. Alten Wundverband mit unsterilen Einmalhandschuhen entfernen (zum Aufschneiden sollte eine sterile Schere benutzt werden;
"Allround-Scheren" sind abzulehnen). Evtl. Entfernung von Pflasterresten. Inspektion der Wunde durch den Arzt. Hygienische Händedesinfektion. Anlegen von sterilen Handschuhen.
Wundreinigung nach folgendem Prinzip: – Aseptische Wunden von innen nach außen reinigen. – Septische Wunden von außen nach innen reinigen.
Einwirkzeiten der Haut- und Wundantiseptika einhalten.
Wundbehandlung nach ärztlicher Anordnung (Fäden ziehen, Drainagen entfernen usw.). Verbandmaterialien, Instrumente und Desinfektionsmittelbehälter nicht auf das Bett des Patienten legen.
Hautpflege der Wundumgebung. Wundauflage mit geeigneten Materialien (Art und Heilstadium der Wunde beachten).
Ggf. Wundverband oder Wundauflage. Gebrauchtes Verbandmaterial sofort in die entsprechenden Behältnisse abwerfen. Benutzte Instrumente unmittelbar nach Gebrauch in geöffnetem Zustand in einen Behälter mit
Instrumentendesinfektionslösung ablegen. Hygienische Händedesinfektion. Dokumentation des Verbandwechsels. Aufbereitung des Verbandwagens (Entsorgung der Abfälle, Aufbereitung der benutzten Instrumente in
der Zentralen Sterilgut-Versorgungsabteilung, Desinfektion der Arbeitsflächen, Nachfüllen der verbrauchten Materialien).
Bei primär geheilten Wunden kann der Verband nach Anordnung spätestens am fünften Tag entfernt werden. In der Regel erfolgt danach einen
"offene Wundbehandlung" mit Pflaster oder Schutzverband, die keimarm, aber nicht steril sein müssen.
Maßnahmen bei infizierten oder großflächigen Wunden (z. B. MRSA, Verbrennungen usw.)
Bei infizierten Wunden kann der Verbandwechsel in starkem Maße zur Keimverbreitung beitragen. Deshalb sollen Patienten mit infizierten
Wunden und solche mit aseptischen Wunden in getrennten Zimmern untergebracht werden. Der Verbandwechsel wird durchgeführt, wenn ein Anhalt für vermehrte Absonderungen besteht; bei sezernierenden Wunden kann ein
Verbandwechsel deshalb mehrmals am Tag erforderlich sein. Gegebenenfalls werden vom Wundrand Proben zur mikrobiologischen Untersuchung gewonnen.
Vor dem Verbandwechsel müssen die Beschäftigten langärmelige Schutzkittel anlegen (je nach Infektionsgefährdung zusätzlich Mund-Nasen-Schutz und
Haarschutz). Ein Wechsel der gesamten Schutzkleidung erfolgt nach jedem Patienten.
Grundsätze beim Verbandwechsel
1. Größere Verbandwechsel nach Möglichkeit in einem separaten und geeigneten Raum durchführen (Verhinderung der Keimverschleppung).
2. Der erste Verbandwechsel sollte immer durch den Arzt erfolgen (3. postoperativer Tag). 3. Wunden nie mit bloßen Händen oder Fingern berühren.
4. Feuchte Wunden nicht länger als 15 Minuten offen lassen (Gewebeaustrocknung!). 5. Verbände nicht zu eng anlegen (Minderdurchblutung, Spannungsblasen usw.).
Periodische mikrobiologische Qualitätsprüfungen in der Operationsabteilung
Hygienische Untersuchungen sind wesentliche Bestandteile der medizinischen Qualitätssicherung und Eigenkontrolle. Durch sie soll
sichergestellt und dokumentiert werden, dass die hygienischen Bedingungen derart sind, dass die Wahrscheinlichkeit von Gesundheitsschäden und -beeinträchtigungen bei Patienten und Mitarbeitern durch Einhaltung
anerkannter Regeln der Hygiene auf ein unvermeidbares Mindestmaß reduziert wird. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden daher in die Maßnahmen der Qualitätssicherung einbezogen.
Folgende Qualitätsprüfungen sollten in einer Operationsabteilung durchgeführt werden:
- Unangemeldete mikrobiologische Untersuchung der hygienischen und chirurgischen Händedesinfektion.
- Halbjährliche Prüfung der Instrumenten- und Flächendesinfektion. - Vierteljährliche Prüfung der Verfahren zur Aufbereitung von Endoskopen. - Halbjährliche (bzw. alle 400 Chargen) hygienisch-technische
Prüfung der Sterilisationsgeräte mit biologischen Indikatoren ("Sporenproben"). - Halbjährliche hygienisch-technische Prüfung von Desinfektionsgeräten (Spülmaschinen) für die Aufbereitung von
Instrumenten, Anästhesie-Zubehör, Schuhen usw. mit biologischen, chemischen und physikalischen Indikatoren. - Überprüfung der Durchführung hygienischer Maßnahmen und der Verhaltensweisen von Mitarbeitern sowie
hygienische Untersuchungen des Patientenumfeldes. - Halbjährliche Untersuchung von Wasser (Kaltwasser, Warmwasser, Osmosewasser, Weichwasser) an festgelegten Probeentnahmestellen. - Jährliche
hygienisch-mikrobiologische und hygienisch-physikalische Prüfung der RLT-Anlagen auf Luftkeime, Luftpartikel und Luftströmung.
Hygiene-Visiten
(Internes Hygiene-Audit)
Jährliche Begehung aller Bereiche in der OP-Abteilung und Sichtung und Überarbeitung (Verifizierung) von Dokumenten zur hygienischen
Qualitätssicherung.
Folgende Punkte werden unter anderem geprüft: – Arbeits- und Funktionsabläufe, – Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen,
– Ver- und Entsorgungsmaßnahmen, – Technische und bauliche Gegebenheiten.
Hygiene-Fortbildung
Mindestens einmal jährlich sollte eine Hygienefortbildung aller Mitarbeiter/innen und erfolgen. Dabei werden Maßnahmen wie die
Durchführung der hygienischen Händedesinfektion oder die Aufbereitung von Medizinprodukten, spezielle Desinfektions- und Reinigungsmaßnahmen nach dem Auftreten von bestimmten Infektionserkrankungen sowie aktuelle
Themen aus dem Bereich der Krankenhaushygiene behandelt.
Alle aufgeführten Maßnahmen tragen in erheblichem Maße dazu bei, die Infektionsrate bei den postoperativen Wundinfektionen zu senken, die Qualität
der Versorgung zu sichern und erhebliche Kosten einzusparen. Und das sollte es uns wert sein!
Achtung: Den Hygiene- und Desinfektionsplan finden Sie in der Printausgabe Schwester/Pfleger 4/02
Anschrift des Verfassers:
Siegfried Niklas Adam Schwinn-Straße 12 64319 Pfungstadt E-Mail: siggi.niklas@t-online.de
Quelle: Bibliomed
zurück zur Übersicht
|